Wie kann Raum unmittelbar als Bühne erlebt werden – und Bühne als Raum? Wie wird er performativ erzeugt? Und wie kann all das visuell wahrgenommen werden?

 

Mit einem internationalen Open Call machte sich schaurauschen auf die Suche nach Performances und Fotografien, die sich als solche selbst thematisieren: formal frei, inhaltlich fixiert und als raumgreifende Erfahrung inszeniert.

 

Gefunden wurde ein breites Spektrum an Antworten und Ideen. Von Puerto Rico über New York bis Transsilvanien erreichte schaurauschen eine überwältigende Vielzahl von Positionen, aus denen nach sorgfältiger Auswahl ein Programm zusammengestellt wurde, das Raum nicht nur zum Thema hat, sondern schafft und erlebbar macht.

 

Schaurauschen bedankt sich an dieser Stelle bei allen Künstlern, deren Interesse das Thema erst lebendig gemacht hat!

 

Performancenacht und Ausstellungseröffnung am 8.Juli
Fotoausstellung bis zum 8.August im Betahaus Berlin

2008 lud Schaurauschen mit BilderÜberBilder zu Filmen und Videos ins Ballhaus Ost ein. Vom bewegten Bild weg wird es im Sommer 2011 weiter in die Dreidimensionalität gehen: Im Betahaus Berlin widmet sich StageTheSpace der Erfahrung von Raum als Bühne – und Bühne als Raum.

 

Das traditionell oppositionelle Verhältnis von Fiktion und Realität sowie Performer und Publikum wird dabei gerade nicht auf der Bühne zur Schau gestellt, sondern als raumgreifende Bühnenerfahrung ausgelotet, erlebbar gemacht und zuletzt in Frage gestellt.

 

Wie lässt sich Raum, der erst durch die Handelnden selbst real wird, als Bühne begreifen, erzeugen und beschreiben? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Publikum und Performer, wenn wir selbst längst beides geworden sind?

 

StageTheSpace sucht nach Antworten, die auf performativer und visueller Ebene den Sprung vom alltäglichen Erleben auf die Bühne der Kunst wagen – oder umgekehrt.


Performances, performative Installationen und Interventionen bilden innerhalb des Eröffnungsabends den ersten Teil der Veranstaltung. Ob Klangkunst oder Kochkurs, Show der Superlative oder stille Surrealität, Raum wird mit und durch uns auf die Bühne geholt und immer wieder neu erlebt werden.

 

In der daran anschließenden Ausstellung werden Fotografien präsentiert, die sich als solche selbst thematisieren – nicht nur als Rahmung von Realität, sondern als räumliche Inszenierung eines zwei-dimensionalen Ausschnitts, die sich prinzipiell zwischen Dokument und Fiktion bewegt.

 

Der Eröffnungsabend wird in eine Partynacht mit DJs, Drinks und Dancefloor übergehen – Performances, die begleitend stattfinden, aktiv eingreifen oder musikalisch untermalen sind herzlich willkommen!

Wir navigieren uns mittels GPS durch den Stadtraum, per Menuführung entlang der Benutzeroberfläche und mit Billigfliegern über den Ozean, sind gleichzeitig Avatar, Profil und Biomasse – in Zeiten multimedialer Echtzeit-Kommunikation stellt Raum längst keine statische Form mehr dar. Vielmehr wächst ein hybrides Spektrum an Möglichkeiten, Raum zu betreten, zu verlassen oder überhaupt erst zu gestalten.


Selbsterfindung und Repräsentation im Multitasking-Format scheinen dabei zu schier grenzenlosen Prämissen jedes Einzelnen geworden zu sein. Wo wir sind und welche Räume wir betreten hängt in zunehmendem Maße davon ab, wie und als wer wir dies tun.

Bühnen werden damit zur metaphorischen Klammer zwischen Selbst und Raum: Wir erfinden uns, schauen uns dabei zu und integrieren uns so in das Regelwerk eines Raumes, das doch nur durch uns selbst besteht.

 

Das Verhältnis von Realität und Fiktion gerät hierbei ebenso in eine ambivalente Lage wie das von Performer und Publikum. Was einerseits zu einem großen Ganzen zu verschmelzen scheint, ja kaum mehr zu unterscheiden ist, steht einander gleichzeitig als zunehmend polarisierende Kategorien gegenüber. Denn letztlich entscheidet die Position, unsere eigene räumliche Rahmung, ob wir gerade auftreten oder anschauen. Oder beides.

Raum wird dabei ein flexibles Gerüst, das sich ständig anpasst, verändert und doch bestimmten Regeln unterliegt. Leben wir also in einer hochgradig fiktionalen Realität oder aber einer verblüffend realistischen Fiktion? Oder werden vielmehr unsere gegensätzlichen Vorstellungen von Fiktion und Realität grundsätzlich unterwandert, überlagert, verschoben?

 

In den Geisteswissenschaften wurden performative turn und spatial turn als Wendepunkte der Wissenspräsentation ausgerufen. Wie aber lässt sich deren wesentlicher Zusammenhang beschreiben? Und wie lässt sich künstlerisch das fassen, was als theoretische Schlagworte schon lange Diskurs und Jetzt-Zeit-Diagnose darstellt?

 

Schaurauschen möchte mit StageTheSpace einen Raum schaffen, der sich als genauso hybrid und vielgestaltig um und in uns bemerkbar macht, wie er es auf theoretischer Ebene schon seit Langem tut. Künstlerisches Kreieren und momenthaftes Erleben stehen damit auf gleichberechtigten Positionen, die den Kern der Veranstaltung beschreiben. Performer und Publikum, Bild und Betrachter werden besondere Bedeutung beigemessen – und in aller Pluralität neu definiert.

 

StageTheSpace lädt ein zu Schau und Spektakel, vor allem aber in einen Raum permanenter Veränderung.